Historie


Die Goethe-Schule blickt als ehemalige städtische Oberrealschule nunmehr auf ein über hundertjährige Geschichte zurück. Die wichtigsten Etappen der wechselvollen Geschichte stellt das Baumsymbol in aller Knappheit dar. Dabei wird deutschlich, dass die Wurzeln schon wesentlich älter sind, auch als Städtische Landwirtschaftsschule die Verbundenheit mit dem Umland aufzeigen, aber doch so gar nicht in das Bild eines Gymnasiums im heutigen Verständnis passen.

Die Entwicklung unserer Schule zur Goethe-Schule

Die Gründung einer Handelsschule im Jahre 1884, die mit der bestehenden Landwirtschaftsschule vereinigt wurde, wies schon eher in diese Richtung hin. Diese Anstalt entwickelte sich so erfolgreich, dass der Neubau eines neuen großen Schulgebäudes beschlossen wurde, der 1896 fertiggestellt wurde.


Der 1896 bezogene Neubau (Zeichnung von Jacob Nöbbe), heute Teil des Museums (Heinrich-Sauermann-Haus)

Und in diesen Zeitraum fällt auch die eigentliche "Geburtsstunde" der Goethe-Schule. Durch Ministererlass wurde im Juni 1893 angeordnet, dass im Herbst 1893 die Abschlussprüfung nach der neuen Prüfungsordnung für Realschulen vom 6.1.1892 vorzunehmen sei. Vorausgegangen war diesem Erlass die Entscheidung, dass die Bildungsanstalt dem Provinzialkollegium in Schleswig unterstellt sei; damit gehörte sie dem Aufsichtsbereich der öffentlichen Schulen an. Mit dieser Entscheidung reagierte das Ministerium seinerzeit auf eine mit zahlreichen Unterschriften versehene Eingabe von Eltern der Handelsschule, die im november 1892 an die Provinzialregierung in Schleswig gerichtet wurde: Die Elternschaft wünschte eine Schulausbildung, die das Spektrum beruflicher Ausbildungsmöglichkeiten erweitert. Sie befand sich dabei im Einvernehmen mit den Vorstellungen des damaligen Leiters der Schule, der mit der Umwandlung der Handelsschule in eine Realschule das Ziel des Ausbaus zu einer Oberrealschule verband.

Die Oberrealschule war eine in Preußen seit 1882 genehmigte lateinlose neunjährige Schule, mit deren Reifezeugnis man ebenso studieren konnte wie mit dem des Realgymnasiums mit grundständigem Latein, und zwar in der Philosophischen Fakultät Mathematik, Naturwissenschaften und neue Sprachen für das höhere Schulamt mit Unterrichtsbefähigung für Realschulen. Zusätzlich berechtigte das Reifezeugnis einer Oberrealschule jedoch noch ganz allgemein zum Studium aller naturwissenschaftlichen und technischen Fächer. Nicht nur Eltern, Schulleiterinnen und Schulleiter verfolgten dieses Ziel, auch der Schulträger. Die städtischen Kollegien Flensburgs fassten unmittelbar nach der ministeriellen Genehmigung zur Durchführung der ersten Abschlussprüfung nach der Prüfungsordnung der realschulen den Beschluss zum Ausbau der Realschule zur Oberrealschule. Und durch "zügige Zusammenarbeit mit dem Provinzialschulkollegium wurde tatsächlich auch erreicht, dass noch vor Beginn des neuen Schuljahres, am 23. März 1894, die Genehmigung des Herrn Ministers der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten zur Errichtung einer Obersekunda zu Ostern 1894 eintraf".

Die Oberrealschule entwickelte sich so erfolgreich, dass sie im Jahre 1914 geteilt wurde; daneben bestanden die Landwirtschaftsschule und ab 1915 die Deutsche Oberschule und das Reformrealgymnasium. 1933 wurden beide Oberrealschulen gegen den Widerstand der Elternschaft wieder zusammengelegt. Hintergrund der Zusammenlegung waren die niedrigen Schülerzahlen, die als Folge der Weltwirtschaftskrise zwischen Ostern 1929 und 1933 an der Oberrealschule I und der Deutschen Oberschule von 435 auf 302, an der oberrealschule II mit Reformrealgymnasium von 424 auf 311 (ohne Landwirtschaftsschule) zurückgegangenwaren. Vor allem unbemittelte Eltern konnten das Schulgeld und die Mittel für Bücher usw. sowie die Lebenserhaltungskosten für eine lange Ausbildung nicht mehr aufbringen, so dass sie ihre Jungen vorzeitig von der Schule nahmen.

Als nächstes wurde schulintern und in der Öffentlichkeit darüber diskutiert, welchen Namen die zusammengelegte Schule bekommen sollte. Das Kollegium sprach sich für eine Benennung nach dem ehemaligen Bürgermeister Dr. Todsen aus, dessen Amtszeit von 1898 bis 1930 dauerte; in einem Leserbrief in den Flenburger Nachrichten vom 25. Oktober 1933 trat Dr. Witt für den Namen des in Flensburg geborenen Rechtshistorikers Georg Waitz (1813-1866) ein, der 1848/49 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung war. Aber die Entscheidung war schon ohne Mitsprache desKollegiums und vor der Zusammenlegung der beiden Oberrealschulen gefallen: am 18. September 1933 hatte der nationalsozialistisch umgebildete Magistrat den Beschluss gefasst, für die neue Schule den Namen "Hitler-Schule" zu erwirken. Am 20.12.1933 wurde der Antrag vom Ministerium gebilligt, und bereits am 11.1.1934 konnte die Einweihung der "Adolf Hitler-Schule" stattfinden.

In bewusster Abkehr von diesem Kapitel der Schulgeschichte erhielt die Städtische Oberschule für Jungen - wie sich die Schule nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus nannte - im Jahre 1949 den Namen "Goethe-Schule Flensburg". Schon 1946 war die Schülerzahl auf 625 angestiegen, 1947 hatte man die 50-Jahr-Feier der Oberschule begangen und im Goethe-Jahr 1949 wurden zu Ehren des 200. Geburtstages Goethes die Goethe-Festtage in Flensburg veranstaltet, bei denen sich die Städtische Oberschule besonders engagierte. Als Dank dafür gab der Oberbürgermeister I. C. Möller bekannt, dass der Magistrat beschlossen habe, der Oberschule eine "besondere Ehrung zu erweisen", nämlich die Namensverleihung.


Goethefeier der Jugend am 27.08.1949 (aus dem Programm)

Auf dem Fundament des deutschen Humanismus stellt sich die Goethe-Schule nun seit über 50 Jahren den gesellschaftlichen und pädagogischen Herausforderungen der Gegenwart, um ihre Schülerinnen und Schüler auf die Bewältigung der Zukunft vorzubereiten.